Das moderne Wundmanagement

Arbeitskreis der Wundambulanzen
Herausgeber: Prof. Dr. med. J. Dissemond

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phadimed@phadimed.de

VORWORT DES AUTORS

Die Zahl der in Deutschland an einer chronischen Wunde leidenden Patienten wird auf 2-3 Millionen Menschen geschätzt. Entsprechend der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung und der Zunahme der Anzahl chronischer Wunden mit steigendem Lebensalter werden diese Zahlen in den kommenden Jahren weiter zunehmen, wenn nicht prophylaktische, diagnostische und therapeutische Maßnahmen optimiert werden können. 
Die Therapie von chronischen Wunden stellt sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Versorgung von Patienten oft ein Problem dar. Es wird angenommen, dass heute weniger als 20% aller Patienten mit einer chronischen Wunde tatsächlich eine moderne feuchte Wundtherapie erhalten. Einerseits entspricht das Wissen der Patienten und des medizinischen Personals und die daraus resultierende Erfahrung im Umgang mit Wunden oft nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft, andererseits führen kurzsichtige, wirtschaftliche Überlegungen zu einem eingeschränkten Einsatz suffizienter Wundheilungsstrategien. Eine insuffiziente Wundbehandlung führt jedoch zu längeren Therapieintervallen und kann somit zu einer weiteren Kostenexpansion beitragen. 

Die vorliegende Wundfibel soll die grundsätzlichen, interdisziplinär und interprofessionell relevanten Prinzipien im praktischen Umgang mit Patienten mit chronischen Wunden im Rahmen eines modernen Wundmanagements darstellen. Das Ziel der hier beschriebenen an den Phasen der Wundheilung orientierten Anleitung für eine feuchten Wundbehandlung ist es, unter Kosten-optimierten Aspekten eine möglichst rasche, einfach durchzuführende und für den Patienten weitestgehend schmerzfreie Therapie zu ermöglichen. Das Konzept dieser Wundfibel soll neben einem kurzen Überblick über Pathomechanismen von Wundheilung und Wundheilungsstörungen in erster Linie der praktischen Anleitung im täglichen Umgang mit Wunden dienen und keinesfalls den Anspruch erheben ein Lehrbuch zu ersetzten. 

Bei der Erstellung der ersten Version dieser Wundfibel habe ich mich bei vielen Kapiteln an der Wundfibel des Arbeitskreises des Universitätsklinikums Essen orientiert, die mir zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt worden ist. Ich möchte daher an dieser Stelle allen meinen Mitstreitern in diesem Arbeitskreis für die Überlassung des grundsätzlichen kreativen Gerüstes für die Erstellung auch dieser Wundfibel danken. Nachdem seit 2003 das erste Konzept dieser online erhältlichen Wundfibel (www.wund.info) kostenlos als pdf-Datei erhältlich war, habe ich von zahlreichen Lesern sehr hilfreiche Anregungen und Tipps erhalten. Vielen Dank dafür! Ich habe mich bemüht diese und die fortschreitenden wissenschaftlichen Entwicklungen in der nun vorliegenden, vollständig überarbeiteten zweiten Version zu berücksichtigen. Dennoch wird diese Wundfibel ebenso wie die Wundtherapie immer wieder auf einen neuen Wissensstand gebracht werden müssen. Ich wäre den Lesern auch weiterhin für konstruktive Rückmeldungen bezüglich Ergänzungen, Aktualisierungen oder zur Beseitigung von formalen Fehlern dankbar.


Dr. med. Joachim Dissemond, Oberarzt 
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie 
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45122 Essen
e-mail: joachimdissemond@hotmail.com

INHALT

1. Wundheilung
1.1. Exsudative Phase - Inflammation
1.2. Proliferative Phase - Granulation
1.3. Reparative Phase - Epithelisation

2. Wundheilungsstörungen
2.1. Ulcus cruris
2.2. Diabetisches Fußsyndrom
2.3. Dekubitus

3. Moderne Wundbehandlung
3.1. Stadien der Wundtherapie
3.2. Wundreinigung
3.3. Granulation
3.4. Epithelisation

4. Verbandwechsel
4.1. Vorbereitung
4.2. Schmerzhafte Verbandwechsel
4.3. Kompressionstherapie
4.4. Hautpflege

5. Obsolete Wundtherapien
5.1. Desinfektion
5.2. Unphysiologische Wundbehandlung

6. Verbandstoffe
6.1. Moderne Wundauflagen
6.2. Aktivkohle
6.3. Alginate
6.4. Hyaluronsäure
6.5. Hydrofasern
6.6. Hydrogele
6.7. Hydrokolloide
6.8. Imprägnierte Gazen
6.9. Kollagen
6.10. Nasstherapeutika
6.11. Offenporige Schaumstoffkompressen
6.12. Geschlossenporige Schaumstoffkompressen
6.13. Semipermeable Wundfolien
6.14. Silber
6.15. Kompressen
6.16. Proteolytische Enzyme
6.17. Wundstarter


7. Ernährung

8. Infektion
8.1. Kolonisation versus Infektion
8.2. Antiseptika
8.3. MRSA
8.4. Tetanus

9. Moderne Therapieoptionen
9.1. Vakuumtherapie
9.2. Biochirurgie
9.3. Ultraschall
9.4. Pipeline-Verband
9.5. Perspektive

10. Anhang
10.1. Hersteller
10.2. Literatur
10.3. Institutionen
10.4. Abbildungen